Seit 1244

Schnathorst

Die meisten Ortschaften unserer Gemeinde Hüllhorst wurden erstmalig im 11. und 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Die Entstehung der Gemeinden reicht jedoch viel weiter zurück. Schnathorst wurde erstmalig im Jahre 1244 urkundlich erwähnt und war bis 1973 eine selbstständige Gemeinde. Heute leben in Schnathorst ca. 2750 Menschen.

Der Mittelpunkt des Ortsteils Schnathorst bildet der restaurierte Ortskern mit seinen malerischen Fachwerkhäusern. Im Struckhof befindet sich eine restaurierte Windmühle mit regelmäßigem Veranstaltungsprogramm. Die Gleitschirmflieger haben dort ihren Start- und Landeplatz.

Das 2002 erweiterte Dorfgemeinschaftshaus steht den Vereinen und Gruppen für Feierlichkeiten zur Verfügung. Am Dorfgemeinschaftshaus befindet sich auch der Dorfplatz, auf dem der Gemeinschaftsbaum errichtet ist. Die Kirche in Schnathorst bildet das Zentrum des Pfarrbezikrks 1 mit Gemeindehaus und Kindergarten. Ebenso verfügt Schnathorst über eine zweizügige Grundschule mit „Offener Ganztagsschule“

Wirtschaft & Infrastruktur

Die Haupterwerbsquelle der Bevölkerung von Schnathorst war von je her die Landwirtschaft. Viehhaltung wurde größtenteils nur zum Eigenbedarf betrieben, Waldbewirtschaftung gab es so gut wie keine. Angebaut wurden Weizen, Hafer, Erbsen und Rüben, später auch Kartoffeln. Da es aber an geeigneten Anbaumethoden (Fruchtwechsel, 4-Felder Wirtschaft) sowie Dünger fehlte, waren die Erträge häufig dürftig.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebte ein Großteil der Bevölkerung außerdem vom Flachsanbau, sowie der Weiterverarbeitung zu Leinen durch Spinnen und Weben in Heimarbeit. Erst diese körperlich schwere Arbeit sicherte vielen der Einwohner zusammen mit der Landwirtschaft ein erträgliches Auskommen. Mit Aufkommen der maschinellen Garnherstellung und Verarbeitung (Ravensberger Spinnerei) und der Einfuhr günstiger Alternativprodukte wie Baumwolle, war die handwerkliche Verarbeitung praktisch über Nacht nicht mehr konkurrenzfähig.

Wegen der ungünstigen Verkehrsanbindung konnte sich eine industrielle Herstellung in dieser Gegend nicht etablieren.

Alternative Arbeitsmöglichkeiten gab es in dieser Zeit wenige, die Bevölkerung verarmte zusehends, Missernten taten Ihr übriges. Viele Einwohner nahmen das zum Anlass und wanderten nach Amerika oder in die Preußische Provinz Posen aus.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts bot sich dann mit der aufkommenden Zigarrenherstellung eine ausgezeichnete Haupt- oder Nebenerwerbsquelle. Diese Arbeiten konnten wieder in Heimarbeit durchgeführt werden und waren relativ leicht zu erlernen. Bald darauf entstanden schon die ersten Zigarrenfabriken (Nebenstellen der großen Bünder Hersteller) auch in Schnathorst.

Hervorgegangen aus Zulieferern der Zigarrenindustrie etablierten sich langsam Betriebe der Holzbearbeitung und des Maschinenbaus. Außerdem entwickelte sich die Tonindustrie und sorgte für Arbeitsplätze.

Durch das Verbot von Wickelmaschinen in der Zigarrenherstellung konnte sich dieser Industriezweig bis in die 1950er Jahre halten, nachlassende Nachfrage bedingt durch den Erfolg der Zigarette führte dann aber zu einem raschen Niedergang.

Heute spielt die Landwirtschaft nur noch eine untergeordnete Rolle.

Bedeutung des Ortsnamens

Der Name des Ortes setzt sich aus den Teilen Schnat und Horst zusammen.

Schnat = plattdeutsch = Grenze. Nicht in Form einer Linie sondern eine natürliche Grenze. Hier ein mehr oder weniger breiter Streifen Wald oder Ödland (siehe auch: Schnatgang).

Horst = bewaldete Anhöhe, in diesem Fall wohl der Kamm des Wiehengebirges (vergleiche auch: Horst).
Frei übersetzt bedeutet Schnathorst also "Grenzwald", wobei die unterschiedlichen Interpretationen im Auge behalten werden sollten.

Geografie

Räumliche Lage [Bearbeiten]Schnathorst liegt am Südhang des Wiehengebirges, dessen Gebirgskamm die Nordgrenze darstellt, im Ravensberger Hügelland. Bis zum Mittelzentrum Minden sind es 25 Kilometer, bis zum nächstgelegenen Oberzentrum Bielefeld 35 Kilometer.

Die höchste Erhebung ist der Schnathorster Berg mit 247 m ü. NN, die tiefste Niederung befindet sich am Schnathorster Bach an der Grenze zu Tengern und liegt auf 70 m ü. NN Höhe. Die Kirche liegt auf 115 m ü. NN.

Zu Schnathorst gehört auch der etwas abseits gelegende Ort Struckhof.

Kultur & Sehenswürdigkeiten

Bauwerke
Alte Watermannsche Ziegelei Struckhof 1891-1914.
Zu sehen sind nur noch Reste des Maschinenhauses sowie das Fabrikantenwohnhaus. Weiterhin sind die Tonabbaugebiete (Kuhlen) in der näheren Umgebung noch sehr gut auszumachen.

Hier befand sich auch eine Haltestelle der Wallückebahn (1897-1937), von der in Schnathorst noch das alte Bahnhofsgebäude und die Straße "Am Bahnhof" zeugen.

Evangelische Kirche von 1901/02. Die alte Kirche sollte Anfang des 20. Jahrhunderts eigentlich nur renoviert und umgebaut werden. Dabei stellte sich heraus, dass sie extrem baufällig war. So entschied der damals amtierende Pfarrer praktisch im Alleingang den Bau einer neuen Kirche. Die Schnathorster Kirche ist die größte Dorfkirche des Altkreises Lübbecke.

Feuerwehrhaus im Lübber Siek von 1914 mit Steiger- und Trockenturm, sowie einer Arrestzelle.

Historischer Ortskern mit restaurierten Fachwerkhäusern

Holländerwindmühle Struckhof

Geschichte

Im Jahre 1244 wird in einer Urkunde die Belehnung einer Hufe im lippischen Amte Schötmar unter anderem von einem Richardus de Snathorst bezeugt. Dieser hatte den gesellschaftlichen Rang eines Ministerialien und besaß leihweise ein Besitztum im Amte Snathorst, nach dessen Namen er sich benannte. Angaben zum Ort und Struktur des Ortes sind nicht übermittelt, aus der Stellung des Richardus lässt sich aber ableiten, dass es sich um einen Meierhof gehandelt haben dürfte, dem weitere Hufe zugeordnet waren (siehe auch Villikation).

Im Jahre 1330 gelangt das Amt Schnathorst als bischöfliches Lehen in den Besitz des Adligen Johann von Lübbecke und wird im Jahre 1464 vom Bischof an die Brüder von Grapendorf verpfändet. Diese veräußerten es im 1490 an das Domkapitel. Aus der Zeit um 1550 gibt es eine Aufstellung der Abgaben an das Kapitel aus der sich die Verhältnisse jener Zeit sehr gut ablesen lassen.

1645/1646, zur Zeit des zu Ende gehenden Dreißigjährigen Krieges, befindet sich das Fürstentum Minden unter schwedischer Besatzung. Da die Schweden glauben das Fürstentum auch nach einem Friedensschluss behalten zu können, beginnen Sie zu dieser Zeit eine Grundlage für die zukünftige Verwaltung zu schaffen und erheben das Urbar des Amtes Reineberg. Diese "Hofzählung" ist das erste vollständige Verzeichnis des Ortes Schnathorst. Detailliert wird Name, Größe und Art der Hofstelle, Abhängigkeiten und zu leistenden Abgaben, sowie die bewirtschafteten Ackerflächen aufgelistet. Es gibt 28 Hofstellen auf denen circa 160 Personen leben. Als Besonderheit ist zu vermerken das 16 der Höfe dem Domkapitel gehören und nur vier dem Landesherren (Amt Reineberg). Die übrigen Stätten sind der Pfarrkirche zugeordnet.

1807 wird das Amt Schnathorst aufgelöst und in das nach französischem Vorbild neu gegründete Kanton Reineberg integriert. In den Folgejahren gehört Schnathorst zum Königreich Westfalen und ab 1810 sogar direkt zum französischen Kaiserreich. Mit Ende der französischen Herrschaft und der darauffolgenden Neuordnung wird Schnathorst 1816 dem Kreis Bünde zugeordnet. Nach Auflösung dessen im Jahre 1832 kommt der Ort zu dem neu geschaffenen Kreis Lübbecke und darin zum Amt Hüllhorst.

1843 wird mit der Durchführung der preußischen Landgemeindeordnung das Amt Schnathorst neu geschaffen. Es umfasst nun die Gemeinden Schnathorst, Tengern, Holsen, Bröderhausen, Hüllhorst, Ahlsen-Reineberg, Büttendorf und Oberbauernschaft. Das Amt hat zu dieser Zeit 4940 Einwohner, davon 654 in der Gemeinde Schnathorst.

Schon 1856 wird mit Inkrafttreten der Gemeinde-Ordnung dieser Zustand wieder aufgelöst und Schnathorst eine eigenständige Gemeinde im Amt Hüllhorst. Die neu eingeführte kommunale Selbstverwaltung berechtigte jeden selbständigen Bürger zur Teilnahme an öffentlichen Geschäften. Es gab einen gewählten Gemeinderat und einen Gemeindevorsteher. Diese Ordnung hatte (mit einigen Änderungen) bis 1933 bestand.

Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg Mit dem Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich werden sämtliche kommunalen Ämter und Gemeindevertretungen aufgelöst. Heinrich Hagemann wird Gemeindevorsteher (Gemeindeschulze). Es werden 1148 Einwohner gezählt.

Die Nachkriegszeit 1945-1990 Von der britischen Militärregierung wird nach Ende des Krieges der schon von 1921 bis 1933 amtierende Vorsteher Wilhelm Huchzermeier als Bürgermeister eingesetzt. Bei den ersten Kommunalwahlen 1948 wurde er wegen Stimmengleichheit im Gemeindeparlament per Losentscheid für weitere vier Jahre bis 1952 im Amt bestätigt.

Von 1952 bis 1972 lenkte dann Hermann Bode die Geschicke der Gemeinde die bis dahin auf 1723 Personen angewachsen war. Von 1953 bis 1972 verfügte Schnathorst über ein eigenes Segelfluggelände, welches aufgrund gesetzlicher Bestimmungen geschlossen wurde. Die zugehörige Flugzeughalle an der Straße "Am Berge" steht noch heute.

Am 6. April 1970 stimmen die neun Gemeinden des Amtes Hüllhorst für die Bildung einer Großgemeinde. Mit weiterem Beschluss vom 30. August 1971 erhält die neue Gemeinde per 1. Januar 1973[1] den Namen Hüllhorst. Siehe auch Gemeindereform (Bielefeld-Gesetz).

Das Jahr 1994 war der Anlass und Zeitpunkt einer gutbesuchten 750-Jahr-Feier im Dorfkern.

Lassen Sie sich inspirieren!

Ziele in Schnathorst